Mumbai

Gegensätze - Immer wieder wurden diese Worte ausgesprochen, diese Gegensätze, denen wir in Mumbai begegnet sind. Singapur war eine der saubersten Städte die wir besucht haben, Mumbai war selbst für hartgesottene Unheikle eine Herausforderung. Die feuchtnasse Hitze in den schimmligen Gassen, in denen prachtvolle Häuser im Kolonialstil verfaulen und in sich zusammenfallen. Daneben die eisgekühlten Räume und Busse, gegen deren Klimaanlagen wir wie gegen Windmühlen ankämpften...meistens konnte man sie nicht ausschalten und so hustete es da und dort im Orchester trotz vorsorglich sehr warmer Kleider wie sonst bei uns im Winter.
Der Monsunregen hat alles überschwemmt, mit Wasser das wieder abfliesst, sowie mit Müll, der bleibt. Das Fischerdorf in dem die Menschen in modernden Booten leben, steckt knietief im Plastikmüll. Mittendrin sitzt eine mit prächtigen Tüchern bekleidete, junge Frau und winkt uns im Bus Vorbeifahrenden zu. Wir werden mit dem schönsten Lächeln beschenkt. Ein solcher Glücksmoment traf uns mehr als einmal, mitten im Schmutz und Zerfall ein Strahlen aus diesen wunderschönen Gesichtern, das in uns Fragen stellt und grosse Achtung weckt.

Gegensätze überall, Fäulnisgeruch aus den Gassen und das stark süssliche Parfum der Räucherstäbchen weckt in uns die Sehnsucht, einmal wieder frische Luft tief einatmen zu können. Die Frauen in Saris, in deren Farben man richtig eintauchen kann, welche durch die nassgrauen Strassen in scheinbar grösster Ruhe wandeln...durch Strassen auf denen das Gebot der Hupe gilt, Ampeln lediglich der farbenfrohen Vielfalt dienen und Zweiräder auch auf der Gegenfahrbahn Platz finden.

All diese Eindrücke konnten wir während zwei freier Tage in Mumbai sammeln. Die Vorbereitungen zum Schlusspunkt der Tournee holten uns dann schnell wieder ein. Leider hatten in dieser Zeit auch die für westliche Mägen unbekannten Genüsse ihre Wirkung. Einige Kolleginnen und Kollegen wurden vor neue Herausforderungen gestellt. Derweil diejenigen, die es am Schlimmsten erwischt hatten und in den gekühlten Zimmern hinter der Bühne durch die Lautsprecher den Kollegen zuhören mussten, gaben jene ihr bestes, die Erkrankten zu ersetzen. So spielten wir die beiden lezten Konzerte mit unserer ganzen Hingabe, nach einer für unseren Körper und unser Herz intensiven Reise durch vier verschiedene Länder.

Reich an Bildern, Klängen, Gefühlen, Farben und Gedanken reisen wir durch die Nacht nach Hause.

(A. Bischoff, Oboe Solo)