Das erste Konzert

Es ist Donnerstag und wir sind nun zwei ganze Tage in der 8- Millionen- Stadt Bogotà. Der Jetlag- Nebel lichtet sich allmählich und ich fühle mich richtig «angekommen».

Der Tag heute war frei bis 18.30 Uhr, und das Erkunden der Stadt war ein voller Erfolg! Das Erklimmen eines der Hügel direkt neben dem berühmten 3100m.ü.M gelegenen «Monserate» hat das Herz gefordert und eine rosa Farbe in unsere Gesichter gezeichnet, wir wurden aber mit einer überwältigenden Sicht über die Metropole belohnt.

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Der überwältigende Ausblick auf die Millionenmetropole Bogota

Motiviert von diesem grandiosen Eindruck begeben wir uns also am frühen Abend zum Konzertsaal.

Die Anspielprobe beginnt verspätet, die letzten Töne des vorgängigen Konzerts sind gerade erst am Verklingen als wir eintreffen. Unsere Orchesterwarte Matthias und Sergey vollbringen ein Wunderwerk indem sie in Windeseile für unser Orchester umbauen. Ca. 15 Minuten verspätet sitzen wir endlich spielbereit auf der Bühne.

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Die letzten Vorbereitungen vor dem Konzert.
Hinter den Bässen wird sich kurz darauf, ganz zu Beginn des Konzertes, eine Flamme entfachen. Ein Kontrabass-Bodenbrettchen liegt auf einem Lämpchen, erhitzt sich und fängt Feuer. Unserem jungen neuen Bass-Stimmführer Andreas gelingt es das Feuer zu stoppen. Dramatik pur während die Musik in vollem Gange ist!

Heute stehen die Polonaise von Anton Ljadov, Peter Tschaykowskis Violinkonzert mit dem fantastischen Julian Rachlin als Geigensolist und Sergej Rachmaninoffs 1. Sinfonie auf dem Programm. Drei Konzerte in drei Tagen mit drei komplett unterschiedlichen Programmen stellen eine grosse Herausforderung dar. Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der kurzen Anspielprobe. Es fehlt uns definitiv die Generalprobe für diese anspruchsvollen Werke, die im straffen Probenplan keinen Platz gefunden hatte. Ausserdem tun Jetlag und eine Überdosis Äquatorsonne ihr Übriges. Hoffentlich wird das gut gehen!

Um 20.30 Uhr, in der Schweiz ist es 03.30 Uhr in der Früh, beginnt das erste Konzert des Luzerner Sinfonieorchesters in Kolumbien. Und wieder einmal mehr ist es erstaunlich, zu was das Orchester fähig ist. Die Bedingungen sind wahrlich suboptimal, aber da kommt plötzlich eine Energie in das Ensemble, der man sich schwer entziehen kann. Die Polonaise erklingt als frischer Auftakt, das Violinkonzert, von Julian Rachlin in lyrischer, tief empfundener Art interpretiert, lässt die Herzen im Publikum und im Orchester höher schlagen. Rachmaninoffs Sinfonie nach der Pause liegt uns wohl allen am schwersten im Magen. Umso erfreulicher ist es, zu erleben, wie unsere Interpretation, von James Gaffigan energetisch inspiriert, absolut zufriedenstellend gelingt. Hier und da eine kleine Unsicherheit im Zusammenspiel machen wir wett durch Vielfarbigkeit und Lebendigkeit. Das Schluss-Forte mit Hühnerhauteffekt bringt das Publikum im ausverkauften Teatro Mayor zum Toben!

Drei Werke verschwinden nach diesem ersten Konzert also schon in den Notenmappen, sechs weitere warten noch auf uns. Der Auftakt, würde ich sagen, ist schon einmal gelungen!
(Christina Gallati, 1. Violine)