Einzigartig, immer wahr, immer ehrlich

Der Geiger Vadim Gluzman präsentiert auf seinem neusten Album das Beethoven Violinkonzert op. 61 mit den nur selten zu hörenden, in den 1970ern entstandenen Kadenzen von Alfred Schnittke. Als klingende Zeitbrücken schlagen sie den musikalisch-architektonischen Bogen zum Schnittke Violinkonzert Nr. 3 aus dem Jahre 1978.

Begleitet wird der auf der Ex-Leopold Auer Stradivari von 1690 musizierende Vadim Gluzman erneut von seinen langjährigen musikalischen Weggefährten, dem Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung des charismatischen James Gaffigan.


Beethoven | Schnittke No. 3

Zwei Violinkonzerte – Vadim Gluzman

Ludwig van Beethoven
Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 61
(Kadenzen von A. Schnittke)

Alfred Schnittke
Konzert Nr.3 für Violine und Kammerorchester (1978)

Vadim Gluzman
Luzerner Sinfonieorchester
James Gaffigan

Preis: CHF 25 inkl. Versandspesen
BIS RECORDS // BIS-2392 SACD // VÖ: 7. MAI 2021

Bereits 2016 stellte der britische Musikjournalist Norman Lebrecht in seinem Klassik-Blog „Slipped Disk“ verwundert die Frage, warum eigentlich niemand die Kadenzen Alfred Schnittkes bei Aufführungen des Beethoven-Violinkonzerts spiele. „Wir beobachten das mysteriöse Verschwinden einer wunderbaren Kadenz“, der wie nur wenigen der Brückenschlag ins Heute gelinge, so Lebrecht: „eine Tour d'Horizon der großen Konzerte, mit Zitaten von Bach, Beethoven, Brahms, Mozart, Ysaÿe, Schönberg, Berg und Schnittke selbst.“

Mit Vadim Gluzman ist ein international gefeierter und vielfach ausgezeichneter Geiger nun angetreten, dieses Versäumnis zu korrigieren. Zumal er zu dem 1998 in Hamburg verstorbenen Wolgadeutschen und dessen kompositorischem Werk eine besondere Beziehung hat: „Schnittkes Musik ist Teil meines Lebens, seit ich zwölf war, als ich das erste Stück von ihm spielte. Meine Beschäftigung mit ihm setzte sich durch Einstudierung eines Großteils seiner Kammermusik, Konzerte und Concerti grossi fort. Seine Stimme ist einzigartig, immer wahr, immer ehrlich, und ich fühle mich seiner Musik sehr nahe.“

Und so ist das neue Album von Vadim Gluzmans nicht nur ein hörenswertes Addendum zum allzu stillen Beethoven-Jubiläum, sondern tatsächlich so etwas wie ein „musikalisches Glaubensbekenntnis“. Die Hochachtung und der Respekt vor dem einzigen Violinkonzert des Wieners Meisters hatten den Isaac Stern-Protegé in seiner Jugend zu der Selbstverpflichtung veranlasst, dieses Werk nicht vor seinem 30. Geburtstag öffentlich zu präsentieren. Und wie es die musikalische Schicksalsgöttin wollte: Just in jenem Jahr erhielt er erstmals das Angebot, Beethovens Violinkonzert op. 61 auf der Konzertbühne darzubieten. Bis heute gilt für Gluzman: „Es ist das ultimative Meisterwerk, der Mount Everest des Violinrepertoires. Ich bin demütig angesichts seiner Größe und werde immer wieder davon inspiriert!“

Für die Einspielung der beiden Violinkonzerte konnte Vadim Gluzman zwei Wunschpartner gewinnen: „das wunderbare Luzerner Sinfonieorchester und einen meiner Lieblingsdirigenten“, nämlich den US Amerikaner James Gaffigan. Gemeinsam blicken sie bereits auf eine erfolgreiche CD-Produktion (Brahms-Album, BIS 2172) sowie zahlreiche Live-Auftritte zurück, darunter das Neujahrskonzert 2020, bei dem das Beethoven-Werk für das aktuelle Album mitgeschnitten wurde: „Während sich der Solist“, so die Luzerner Zeitung am Tag darauf, „im ersten Satz zu dramatischem Ausdruck steigerte, mit einem Höhepunkt in der abgründigen Kadenz von Alfred Schnittke, gestaltete das Orchester den Dialog mit ihm immer kammermusikalisch. […] All das verband sich mit dem detailfreudig artikulierten und doch wie zu unendlichen Melodien verbundenen Ton Gluzmans zu sinfonischer Kammermusik.“

Auch wenn beide Meisterwerke laut Vadim Gluzman gänzlich gegensätzliche Sphären hörbar werden lassen, „von der Dunkelheit und Wehmut des Schnittkeschen Oeuvres bis zur Freude und ewigen Schönheit von Beethovens Konzert“, so hat der Geiger hier doch zugleich in plausibler Weise Verbindungen zwischen ihnen offengelegt: Nicht zuletzt sei bei beiden gleichermaßen „Klarheit der Vision und der Struktur von größter Bedeutung“. Davon können wir alle dieser Tage nicht genug bekommen. Wir sehnen uns danach. Auch außerhalb der Musik.

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